ELECTRE-Methode erklärt: Ein praktischer Entscheidungsleitfaden
Erfahren Sie, wie die ELECTRE-Methode Optionen anhand widersprüchlicher Kriterien mithilfe von Outranking, Schwellenwerten und Veto-Logik vergleicht, mit einer Erläuterung der praktischen Grenzen.

Ein Einkaufsleiter hat zwei glaubwürdige Lieferanten auf der Shortlist. Der eine bietet den niedrigeren Preis, hat aber eine unregelmäßige Lieferbilanz. Der andere kostet mehr, hält aber konsequent vereinbarte Termine und Qualitätsanforderungen ein. Eine einzige Bewertungstabelle kann den günstigeren Lieferanten als offensichtlichen Sieger erscheinen lassen, selbst wenn eine verpasste Lieferung die Produktion zum Stillstand bringen würde.
Genau dieses Problem soll die ELECTRE-Methode lösen. Statt jede Überlegung in eine einzige kompensatorische Bewertung zu zwingen, vergleicht sie Alternativen und fragt, ob eine ausreichend unterstützt wird, ohne eine inakzeptable Schwäche aufzuweisen. Das macht sie relevant für europäische KMU, die Lieferanten, Software, Investitionen, Standorte oder andere Optionen mit widersprüchlichen Kriterien auswählen.
Dieser Leitfaden erklärt die Methode in einfacher Sprache – von ihren französischen Ursprüngen über Schwellenwerte, Veto-Logik, Berechnungsschritte, Varianten, Stärken, Grenzen bis hin zur praktischen Eignung. Die zentrale Lehre ist einfach: Ein starkes Ergebnis bei einem Kriterium sollte nicht automatisch ein Versagen ausgleichen, das wichtiger ist, als der Durchschnitt vermuten lässt.
Inhaltsverzeichnis
- Was ELECTRE ist und woher es kommt
- Die Kernidee: Warum ELECTRE nicht-kompensatorisch ist
- Schlüsselkonzepte: Outranking, Konkordanz, Diskordanz und Schwellenwerte
- Das klassische ELECTRE-Verfahren: Schritt für Schritt
- Ein durchgerechnetes Beispiel: Die Wahl eines Lieferanten
- Die ELECTRE-Familie im Überblick
- Stärken und Grenzen gleichermaßen
- Wann ELECTRE einsetzen und wann darauf verzichten
- ELECTRE ist nicht ELECTE
- Fazit
Was ELECTRE ist und woher es kommt
ELECTRE (ÉLimination Et Choix Traduisant la REalité) ist eine Familie von Methoden zur multikriteriellen Entscheidungsfindung, die von Bernard Roy und Kollegen in Frankreich entwickelt wurde. Die Kernideen wurden 1964 entwickelt, 1965 auf ein reales Kundenproblem angewendet und in einem Forschungsbericht von 1966 öffentlich vorgestellt. Roys erster ausführlicher Fachartikel folgte 1968 und bildete die Grundlage für ELECTRE I. Die Zeitachse und Ursprünge der ELECTRE-Methode sowie der französischsprachige ELECTRE-Überblick spiegeln diese Entwicklung wider.
Die Arbeit begann bei SEMA, einer französischen Unternehmensberatung, als Reaktion auf eine praktische unternehmerische Entscheidung. Das Team stand vor Kriterien mit unterschiedlicher Bedeutung, bei denen eine gewichtete Summe es zulassen konnte, dass ein exzellentes Ergebnis in einem Bereich ein Ergebnis ausgleicht, das die Verantwortlichen als inakzeptabel ansahen. Der Ansatz entstand aus diesem Beratungsproblem und nicht aus einer rein abstrakten mathematischen Übung.
ELECTE guida ai sistemi decisionali
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Die ELECTRE-Familie gehört zur Outranking-Tradition. Sie vergleicht Alternativen paarweise und wägt Belege, die einen Vergleich stützen, gegen Belege ab, die ihn infrage stellen. Das Ergebnis muss keine vollständige Rangliste sein. Es kann zeigen, welche Alternativen andere sinnvollerweise übertreffen, welche durch eine gravierende Schwäche blockiert sind und welche unvergleichbar bleiben.
Für Führungskräfte bewahrt dies eine wichtige Beurteilung. Ein Kriterium muss nicht erst zu einem gemeinsamen Nutzwert werden, um die Entscheidung beeinflussen zu können. Ein insgesamt starkes Profil kann dennoch scheitern, wenn eine Schwäche inakzeptable operative Folgen hat. Diese Unterscheidung prägt die Methode.
Die Kernidee: Warum ELECTRE nicht-kompensatorisch ist
Ein gewichtetes Summenmodell ist kompensatorisch. Man gibt jedem Kriterium eine Gewichtung, bewertet jede Alternative, multipliziert und addiert. Die Mathematik erlaubt es, dass ein hoher Wert bei einem Kriterium einen niedrigen Wert bei einem anderen ausgleicht, solange die Summen am Ende stimmen.
Betrachten wir eine vereinfachte Lieferantenbewertung. Lieferant A erzielt 9 Punkte beim Preis und 1 Punkt bei der Lieferzuverlässigkeit. Lieferant B erzielt 4 Punkte in beiden Kriterien. Erhält der Preis genügend Gewicht, kann Lieferant A den gewichteten Durchschnitt gewinnen. Das Modell mag in sich konsistent sein, kann aber trotzdem eine Entscheidung liefern, die Betriebsleiter sofort ablehnen.
Die ELECTRE-Methode ist nicht kompensatorisch. Sie prüft, ob A ausreichend unterstützende Belege hat, um B zu übertreffen, und gleichzeitig, ob A bei einem kritischen Kriterium eine schwerwiegende Schwäche aufweist. Ein starker Preisvorteil kann zur Konkordanz beitragen, kann aber nicht automatisch ein Lieferproblem ausgleichen, das ein Veto-Niveau erreicht.
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Der Unterschied lässt sich in einem Satz zusammenfassen:
Gewichtete Bewertung fragt, welche Alternative die höchste Gesamtsumme hat; ELECTRE fragt, ob eine Alternative ausreichend unterstützt ist und frei von unannehmbaren Schwächen bleibt.
Das bedeutet nicht, dass ELECTRE Gewichte ignoriert. Gewichte drücken weiterhin die relative Bedeutung der Kriterien aus. Der Unterschied besteht darin, dass Gewichte zusammen mit Konkordanz-, Diskordanz- und Veto-Bedingungen wirken, anstatt die alleinige Entscheidungsregel zu bilden.
Dieser Ansatz eignet sich für Situationen, in denen Kriterien nicht natürlich vergleichbar sind. Der Preis wird möglicherweise in Euro gemessen, die Lieferung in Tagen, die Qualität durch Prüfergebnisse und das geografische Risiko durch eine qualitative Bewertung. Sie zu einer einzigen Zahl zusammenzufassen, kann eine falsche Präzision erzeugen. Paarweise Übertreffung hält die zugrunde liegende Beurteilung sichtbar.
Ein praxisorientierter Manager kann die Methode daher nutzen, um zwischen einer Alternative, die insgesamt etwas schlechter ist, und einer Alternative, die wegen eines kritischen Mangels unannehmbar ist, zu unterscheiden. Diese Unterscheidung bildet die Grundlage für die folgenden Konzepte.
Schlüsselkonzepte: Übertreffung, Konkordanz, Diskordanz und Schwellenwerte
Die Terminologie mag technisch klingen, doch jedes Konzept beantwortet eine praktische Frage zu einem Paar von Alternativen.
Konzept | Definition in einem Satz | Beispiel Lieferant |
|---|---|---|
Übertreffung | Alternative A übertrifft B, wenn A bei einer ausreichend wichtigen Koalition von Kriterien mindestens so gut ist wie B, ohne eine unannehmbare Schwäche aufzuweisen. | Ein Lieferant kann günstiger und näher sein, wird aber einen anderen Lieferanten nicht übertreffen, wenn seine Fehlerquote gefährlich schlecht ist. |
Konkordanz | Die Konkordanz misst, wie viel gewichtete Evidenz die Aussage unterstützt, dass A mindestens so gut ist wie B. | Ein Konkordanzwert von 0,75 bedeutet, dass 75 % der gewichteten Kriterien A gegenüber B unterstützen. |
Diskordanz und Veto | Diskordanz erfasst starken Widerspruch gegen eine Übertreffung, während ein Veto-Kriterium sie automatisch blockieren kann, wenn die Leistungslücke einen festgelegten Grenzwert überschreitet. | Ein Lieferant kann beim Preis führen, den Vergleich aber trotzdem nicht bestehen, wenn seine Qualitäts- oder Lieferschwäche einen Veto-Schwellenwert überschreitet. |
Indifferenzschwelle, q | Die Indifferenzschwelle ist die Lücke, unterhalb derer zwei Leistungen als praktisch gleichwertig behandelt werden. | Ein geringer Unterschied bei der Lieferzeit kann ignoriert werden, wenn er keine betrieblichen Konsequenzen hat. |
Präferenzschwelle, p | Die Präferenzschwelle ist die Lücke, oberhalb derer der Entscheider eine Alternative klar gegenüber einer anderen bevorzugt. | Ein ausreichend großer Qualitätsunterschied kann eine feste Präferenz begründen und nicht nur eine geringfügige. |
Konkordanz ist also keine einfache Zählung von Kriterien. Sie spiegelt deren Gewichtungen wider. Wenn Preis und Kapazität mehr Bedeutung haben als geografisches Risiko, trägt ihre Unterstützung stärker zum Index bei. Das Ergebnis bleibt ein strukturiertes Urteil, keine bloße Mehrheitsentscheidung.
Diskordanz fügt die Gegenseite hinzu. Sie prüft, ob A bei einem bestimmten Kriterium so viel schlechter abschneidet als B, dass die vorgeschlagene Übertreffungsbeziehung unplausibel wird. Das Veto-Prinzip ist die stärkste Form dieser Prüfung. Ein einziges Kriterium kann die Beziehung blockieren, selbst wenn die insgesamt unterstützende Koalition stark ist.
Schwellenwerte machen den Vergleich weniger anfällig. Ohne sie könnten winzige Messunterschiede künstliche Präferenzen erzeugen. Mit ihnen kann der Analyst zwischen vernachlässigbarer Abweichung, schwacher Präferenz und bedeutsamer Überlegenheit unterscheiden.
Diese Parameter begründen auch eine Verantwortung für das Entscheidungsteam. Schwellenwerte sollten nicht allein deshalb gewählt werden, weil sie ein bequemes Ergebnis liefern. Sie sollten operative Toleranzen, vertragliche Anforderungen, regulatorische Belange oder ein ausdrücklich dokumentiertes Management-Urteil widerspiegeln. Deshalb ist ELECTRE wirkungsvoll, aber auch sensibel.
Das klassische ELECTRE-Verfahren: Schritt für Schritt
Eine praktische ELECTRE-I-Analyse beginnt mit einer Entscheidungsmatrix. Ordnen Sie die Alternativen in Zeilen und die Kriterien in Spalten an. Erfassen Sie die Rohdaten, etwa Lieferantenpreis, Lieferzeit, Fehlerquote, Kapazität und Risiko.
Die Matrix erstellen und vorbereiten
Bestimmen Sie zunächst, ob jedes Kriterium einen Nutzen oder eine Kostengröße darstellt. Höhere Kapazität kann besser sein, während eine niedrigere Fehlerquote besser ist. Qualitative Kriterien benötigen vor der Bewertung eine vereinbarte Skala und eine klare Auslegung.
Als Nächstes wird die Matrix normalisiert. Die Normalisierung bringt Kriterien mit unterschiedlichen Maßeinheiten auf vergleichbare Skalen. Die genaue Formel hängt von der ELECTRE-Variante und der Art der Daten ab, daher sollte der Analyst den gewählten Ansatz dokumentieren, statt die Normalisierung als neutralen Verwaltungsschritt zu behandeln.
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Gewichtungen anwenden und Paare vergleichen
Weisen Sie Gewichtungen zu, die die Prioritäten des Entscheidungsteams widerspiegeln. Die Gewichtungen fließen dann in den Konkordanzindex ein, der die Kriterien aggregiert, die die Aussage stützen, dass A mindestens so gut ist wie B.
Berechnen Sie für jedes Paar, wie stark A den Vergleich stützt und wie stark A bei jedem Kriterium zurückfällt. Der Diskordanzindex konzentriert sich je nach Variante auf den größten oder schwerwiegendsten Widerspruch.
Fügen Sie die Indifferenz-, Präferenz- und Veto-Schwellenwerte ein, bevor Sie die paarweisen Beziehungen finalisieren. Schwellenwerte übersetzen operatives Urteilsvermögen in Regeln, etwa indem ein kleiner Lieferunterschied als unerheblich behandelt wird, während ein Lieferant mit einer inakzeptablen Fehlerlücke blockiert wird.
Die resultierenden Konkordanz- und Diskordanzbedingungen werden dann aggregiert. Wenn A ausreichende Unterstützung erhält und kein Kriterium ein Veto auslöst, verzeichnet die Analyse eine Übertreffungsbeziehung von A zu B.
Nutzen Sie Szenarioanalysen, um zu testen, wie sich die Beziehung ändert, wenn sich Annahmen ändern. Ein strukturierter Prozess der geschäftlichen Szenarioanalyse kann dem Team helfen, alternative Gewichtungen, Schwellenwerte oder Risikotoleranzen zu untersuchen, ohne diese Entscheidungen zu verbergen.
Schließlich synthetisiert die Methode den Übertreffungsgraphen. ELECTRE I kann einen Kern identifizieren, also eine Menge akzeptabler Alternativen, statt einer vollständigen Rangfolge. Andere Mitglieder der Familie verfeinern das Verfahren auf unterschiedliche Weise. Jeder Parameter sollte begründet und mit den Personen überprüft werden, die die operativen Konsequenzen verstehen.
Ein durchgerechnetes Beispiel: Auswahl eines Lieferanten
Nehmen Sie drei Lieferanten und vier Kriterien. Bei Kosten, Lieferzeit und Fehlerquote sind niedrigere Werte besser. Die Kapazität wird von niedrig bis hoch bewertet.
Lieferant | Kosten | Lieferzeit (Tage) | Fehlerquote (%) | Kapazitätswert |
|---|---|---|---|---|
A | 70 | 12 | 8 | 9 |
B | 82 | 10 | 2 | 8 |
C | 78 | 14 | 3 | 6 |
Ein einfaches Modell mit gewichteter Summe könnte Lieferant A an die erste Stelle setzen, wenn niedrige Kosten und hohe Kapazität ausreichend gewichtet werden. In dieser Betrachtung kann die schwächere Qualitätsleistung von A durch seine Vorteile in anderen Bereichen ausgeglichen werden.
Eine ELECTRE-artige Betrachtung stellt eine andere Frage. Hat A genügend Unterstützung, um B zu übertreffen, und ist eine Schwäche schwerwiegend genug, um diesen Anspruch zu blockieren?
Im Vergleich zu B ist Lieferant A attraktiv bei den Kosten und liegt bei der Kapazität leicht vorne. Aber B ist besser bei der Lieferzeit und deutlich besser bei der Fehlerquote. Wenn das Entscheidungsteam diese Qualitätslücke als operativ nicht akzeptabel einstuft, kann die vorgeschlagene Überordnung von A gegenüber B durch ein Veto bei der Fehlerleistung blockiert werden.
Das führt zu einer praktischen Schlussfolgerung:
- Gewichtete Summe: A kann trotzdem gewinnen, wenn sein Preisvorteil die schlechte Qualität ausgleichen darf.
- ELECTRE: B kann A schlagen, wenn die Qualitätslücke als nicht ausgleichbare Schwäche behandelt wird.
- Betriebswirtschaftliche Interpretation: B kostet mehr, aber A weist einen Fehlermodus auf, den das Team entschieden hat, um keinen Preis zu akzeptieren.
Dies ist bewusst eine qualitative Veranschaulichung, keine vollständige numerische ELECTRE-Berechnung. In einer echten Analyse würde das Team die genauen Gewichte, Schwellenwerte, Konkordanzregeln und Vetobedingungen dokumentieren, bevor es ein formales Überordnungsergebnis behauptet. Teams, die Technologieanbieter bewerten, können dieselbe Logik über einen dokumentierten SaaS-Anbieter-Risikobewertungsprozess anwenden.
Die ELECTRE-Familie im Überblick
Die Familie umfasst verwandte Methoden für unterschiedliche Entscheidungsaufgaben.
- ELECTRE I unterstützt Auswahl und Selektion, indem eine Überordnungsrelation aufgebaut und akzeptable Alternativen identifiziert werden.
- ELECTRE II erweitert den Ansatz um stärkere und schwächere Überordnungsrelationen, um die Rangfolge zu verfeinern.
- ELECTRE III verwendet unscharfe Überordnung und stellt Glaubwürdigkeit als Abstufungen dar, statt sich nur auf scharfe Ja-oder-Nein-Relationen zu verlassen.
- ELECTRE IV funktioniert ohne explizite Kriteriengewichte, was hilfreich sein kann, wenn sich die Stakeholder nicht auf ein Gewichtungsschema einigen können.
- ELECTRE IS erweitert ELECTRE I durch die Einführung von Indifferenz- und Präferenzschwellenwerten.
- ELECTRE TRI ordnet Alternativen vordefinierten Kategorien zu, statt sie von der besten zur schlechtesten zu ranken. Es passt zu Aufgaben wie der Zuordnung von Fällen zu Risiko- oder Prioritätsklassen.
Die Wahl hängt von der Fragestellung ab. Wenn Sie einen differenzierten Vergleich unter unsicheren Bewertungen benötigen, ist ELECTRE III möglicherweise besser geeignet als eine scharfe Variante. Wenn Sie entscheiden müssen, ob eine Alternative in eine genehmigte, überwachte oder abgelehnte Kategorie gehört, behandelt ELECTRE TRI eine andere Problemstellung als das Ranking.
Wählen Sie eine Variante nicht allein nach dem Namen aus. Definieren Sie zuerst das Entscheidungsergebnis und wählen Sie dann die Methode, deren Outranking-Struktur dazu passt.
Stärken und Grenzen in gleichem Maße
Die stärkste Eigenschaft von ELECTRE ist die Fähigkeit, eine nicht kompensatorische Logik abzubilden. Sie kann eine kritische Schwäche sichtbar erhalten, statt sie in einem Durchschnitt zu verbergen. Zudem unterstützt sie Schwellenwerte, qualitative Bewertungen, gemischte Einheiten und explizite Veto-Regeln, was Führungskräften eine realistischere Möglichkeit gibt, operative Einschränkungen abzubilden.
Die paarweise Struktur kann einen Prüfpfad erzeugen. Ein Team kann nachvollziehen, warum A B übertrifft, welche Kriterien diese Beziehung stützen und welches Kriterium die umgekehrte Beziehung verhindert. Das ist oft klarer als die Darstellung eines einzelnen Gesamtwerts ohne erkennbare Berücksichtigung inakzeptabler Schwächen.
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Die Grenzen sind ebenso wichtig.
- Sensibilität der Parameter: Gewichtungen, Indifferenzschwellen, Präferenzschwellen und Veto-Einstellungen können subjektiv sein. Kleine Änderungen können das Outranking-Ergebnis erheblich verändern – ein wiederkehrender Punkt in methodischen Überprüfungen zur Sensibilität und Komplexität von ELECTRE, einschließlich dieses Übersichtsartikels und dieses umfassenderen Überblicks über ELECTRE-Methoden.
- Unvollständige Ergebnisse: ELECTRE kann unvollständige Rangfolgen, Unvergleichbarkeiten oder intransitive Beziehungen erzeugen. Ein Entscheidungsteam erhält möglicherweise keine stabile Reihenfolge aller Alternativen – ein Kompromiss, der in dieser Übersicht über multikriterielle Entscheidungsmethoden und in dieser Untersuchung von Outranking-Methoden behandelt wird.
- Höherer analytischer Aufwand: Paarweise Vergleiche, Schwellenwerte und die Synthese von Beziehungen erfordern mehr Arbeit als eine einfache Bewertungsskala.
- Keine automatische Objektivität: Die Methode strukturiert Beurteilungen, beseitigt sie aber nicht. Das Team bleibt dafür verantwortlich, festzulegen, was als inakzeptabel gilt.
Praktische Regel: Behandeln Sie die Sensitivitätsprüfung als Teil der Entscheidung, nicht als optionale Präsentationsübung.
ELECTRE ist rigoros, aber keine Magie. Sie macht Kompromisse und Schwächen sichtbarer. Sie kann nicht entscheiden, ob ein Fehlergrenzwert wirtschaftlich oder operativ gerechtfertigt ist.
Wann man ELECTRE einsetzen sollte und wann nicht
Setzen Sie ELECTRE ein, wenn Sie eine kleine Anzahl ernstzunehmender Alternativen, widersprüchliche Kriterien und mindestens einen Ausfall haben, der nicht durch Erfolge an anderer Stelle ausgeglichen werden sollte. Lieferantenauswahl, Standortwahl in der Industrie, Energietechnologie, Softwarebeschaffung und Investitionsprüfung können alle diesem Muster entsprechen.
Sie ist besonders nützlich, wenn das Team erklären muss, warum eine günstigere oder schnellere Option nicht gewählt wurde. Die Outranking-Beziehung kann zeigen, dass die Entscheidung nicht auf einer unbegründeten Präferenz beruhte, sondern auf einer definierten Kombination aus Unterstützung, Widerspruch und Veto-Bedingungen.
Verzichten Sie darauf, wenn die Entscheidung einfach und vollständig kompensatorisch ist. Wenn jedes Kriterium vernünftigerweise in Geld ausgedrückt werden kann, die Kompromisse akzeptiert sind und eine Alternative klar überlegen ist, kann eine gewichtete Bewertung oder eine Kosten-Nutzen-Analyse schneller und leichter zu begründen sein.
Verteilungstipps für Lead-Magnete
Sie kann auch übertrieben sein, wenn die Auswahlliste groß ist oder die Frist keine Zeit lässt, um die Parameter zu validieren. Eine einfache Bewertungsskala reicht bei einem routinemäßigen Kauf oft aus, etwa bei der Auswahl eines kostengünstigen Bürodruckers, bei dem Zuverlässigkeit und Preis unkomplizierte Kompromisse darstellen.
ELECTRE ist nicht ELECTE
ELECTRE ist ein allgemeines Akronym für eine Entscheidungsmethode, die seit den 1960er Jahren in der akademischen und industriellen Literatur verwendet wird. ELECTE ist ein eigenständig geprägter Begriff und der Name einer KI-gestützten Datenanalyseplattform für europäische KMU. Die beiden haben nichts miteinander zu tun. Leser, die das Unternehmen suchen, finden es unter electe.net.
Fazit
Die ELECTRE-Methode ist am nützlichsten, wenn Durchschnittswerte die Entscheidung verschleiern, die Führungskräfte treffen müssen. Sie vergleicht Alternativen paarweise, misst zustimmende und widersprechende Belege und ermöglicht es, dass eine kritische Schwäche ein Outranking über eine Veto-Bedingung blockiert.
Diese nicht kompensatorische Erkenntnis ist ihr wichtigster Wert. Ein günstigerer Lieferant ist nicht automatisch besser, wenn seine Fehlerquote oder Lieferzuverlässigkeit eine Anforderung verletzt, die das Unternehmen nicht akzeptieren kann. Gleichzeitig erfordert ELECTRE diszipliniert gewählte Parameter und kann eine unvollständige oder nicht eindeutige Rangfolge liefern. Setzen Sie die Methode ein, wenn diese Kompromisse real sind, dokumentieren Sie die Schwellenwerte sorgfältig und wählen Sie eine einfachere Methode, wenn die Entscheidung rein kompensatorisch ist.
Glossar
- Alternative: Eine zu bewertende Option, wie ein Lieferant oder ein Softwareprodukt.
- Kriterium: Eine Dimension zur Bewertung von Alternativen, wie Kosten, Qualität oder Risiko.
- Konkordanz: Gewichtete Belege, die die Behauptung stützen, dass eine Alternative mindestens so gut ist wie eine andere.
- Diskordanz: Belege dafür, dass eine Alternative bei einem bestimmten Kriterium erheblich schlechter abschneidet.
- Outranking (Übertreffungsrelation): Eine Relation, die zeigt, dass eine Alternative vernünftigerweise als mindestens so gut wie eine andere angesehen werden kann.
- Schwellenwert: Eine Grenze, die Indifferenz, Präferenz oder Veto definiert.
- Veto: Eine schwerwiegende Schwäche, die ein Outranking trotz Unterstützung durch andere Kriterien verhindert.

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